„Der Rest der Welt“ von Pulk Fiktion ist von der Kaleidoskop-Jury für die Kaleidoskop-Theatertage 2012 ausgewählt worden.

Warum ist da niemand schon früher drauf gekommen? Ein Theaterabend im „Making-Of“-Format – nur dass „die Glotze“ selbst sich in die Kulissen schauen lässt. Das Fenster zur Welt: Hier wird uns eindrucksvoll gezeigt, mit welchen Tricks es gerahmt und was dabei alles ausgeblendet wird. Aufklärung also, sowie die Vermittlung dessen, was sich so trocken „Medienkompetenz“ nennt. Der Clou: Dargeboten als Theater, ist der „Unterricht“ nicht nur sehr viel plastisch- eindrücklicher – er macht auch noch richtig Spaß.
Da wird alles aufgefahren, was das Medium hergibt: Live-Kamera, Beamer, Studio- und Soundkulisse, ein Techniker und VJ sowie „handgemachte“ Tafelbilder. Vor dem Bluescreen dürfen die Mondlandung re-inszeniert und Justin Bieber umarmt werden, die Kinder sich zudem als ihre eigenen Balkengraphiken aufstellen. Wie weit Video und Wirklichkeit oftmals auseinanderliegen, wird spätestens klar, wenn veranschaulicht wird, wie kurz ein Erdenmensch in den Abendnachrichten aufblitzte, wollte man allen den Platz dafür einräumen. Das Duo Biedermann und Kähler ist immer gewitzt und niemals oberlehrerhaft bei der Sache.
Man merkt dem Abend an, dass er gemeinsam mit dem Zielpublikum entwickelt wurde: Ganz einfache und gerade darum treffend aufschlussreiche Kinderfragen strukturieren das Stück. Obendrauf gibt es charmante Choreographien zu Anfang und am Ende. Und immer wieder passende Theaterbilder: Was zum Beispiel oben an Zutaten in die Kaffeemaschine hineinkommt, muss dann noch durch den Filter, damit unten die Standard-Plörre TV dabei herauskommen kann.
So liefert der Abend nicht nur medienkritische Mittel an die Hand, sondern demonstriert zugleich an sich selbst, was die alte Tante Theater anders (und manchmal sogar besser) kann: gerade im Spielerischen etwas über die Wirklichkeit aufscheinen lassen.

Jurybewertung, Kaleidoskop 2012, Steffen Popp, März 2012