Entweder und (2016)

bild9-kopieEin Kinderstück über das Größerwerden in einer rosablauen Welt

Wer sich in einem Kaufhaus in die Spielwarenabteilung begibt und nicht farbenblind ist, muss sich nicht lange orientieren, um den Weg zu den Mädchen- oder Jungssachen zu finden. Zwei Schubladen scheint diese Welt für ihre Kinder bereitzuhalten. In der einen befinden sich Bälle, Autos und Bauklötzchen, in der anderen Barbies, Haarspangen und Pferdebücher.

Kaum eine Frage bestimmt unser Denken über einen Menschen so sehr, wie die nach dem Geschlecht. Nicht nur Spielsachen, Kleidung und Toilettenräume schreiben wir den Geschlechtern zu, sondern auch Vorlieben, Eigenschaften und Fähigkeiten. Wild sein, laut sein, raufen versus lieb sein, hübsch sein, Haare kämmen.

Wie behaupte ich mich also in dieser Welt voller Erwartungen? Wie finde ich heraus, was wirklich zu mir passt? Wähle ich das Typische oder das Untypische, das Vorgesehene oder das Abweichende? Wie gehe ich um, mit dem Eigenen und dem Anderen? Wie kann ich lernen, mutig zu sein und meinen eigenen Weg zu gehen?

Gemeinsam mit dem JES Ensemble hat die Regisseurin Hannah Biedermann zu diesem Thema recherchiert und aus den Erkenntnissen eine Collage entwickelt. Entstanden ist ein Fest der Verwandlung, ein bunter Reigen von Bildern über Mädchen und Jungen, Männer und Frauen und über Andere und Anderes. Eine Einladung zum Irritieren und Amüsieren. Eine Einladung zur Uneindeutigkeit im Spiel mit dem Vorgegebenen.

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Konzept und Regie: Hannah Biedermann
Mit: Alexander Redwitz, Gerd Ritter, Franziska Schmitz, Sophia Maria Schroth
Ausstattung: Mascha Mihoa Bischoff
Musik: Conni Trieder
Dramaturgie: Lucia Kramer

Spieldauer: 65 Minuten
Anzahl der Mitwirkenden: 2H, 2D, 1M
Zielgruppe: ab 5 Jahren

Uraufführung: 12.11.2016
Rechte: Beim Theater/und FBE Verlag

AUSGEZEICHNET MIT DEM DEUTSCHEN THEATERPREIS DER FAUST 2017 IN DER KATEGORIE REGIE KINDER- UND JUGENDTHEATER

Pressestimmen:

“…Biedermann inszeniert eine fetzige Revue, die mit den Klischees spielt, was ein Junge, bzw. ein Mädchen darf und nicht darf. Sie entwickelt eine Art performativer Präsentation, die mit blitzartigen, pointiert zugespitzten Szenen unterhält…Unterhaltsamer kann man fünfjährigen Kindern nicht die Gender-Problematik erzählen…”
Die Deutsche Bühne, 13.11.2016

“…Das Team hat eine lose Szenenfolge entwickelt, in der Klischees und Normierungen ad absurdum geführt werden…Ihre Freude haben sie (die Kinder) (…), und zwar am Theater selbst, am munteren, mitunter überdrehten Verkleidungsspiel, bei dem Holzrock, Teddybärkleid und allerhand eigenwillige Kostüme zum Einsatz kommen, die manchmal an Oskar Schlemmers Triadisches Ballett erinnern…Und vielleicht kommen die großen wie kleinen Zuschauer ja doch ein bisschen entspannter und auch mutiger aus „entweder und“… “
Stuttgarter Zeitung, 13.11.2016