Plötzlich unbeliebt

Das Theater Marabu beschäftigt sich in seiner neuen Produktion mit einem heiklen Schülerthema

Lena versteht die Welt nicht mehr. Wunderschöne Sommerferien liegen hinter ihr. Mit Vater, Mutter und Bruder reiste sie in das Ferienhaus der Eltern. Ihre beste Freundin Maria musste leider diesmal zu Hause bleiben, es gab nicht genug Platz. Im nächsten Jahr soll sie wieder mit. Am ersten Schultag kommt plötzlich die böse Überraschung. Auf dem Schulhof werden ihre Urlaubsbriefe laut vorgelesen, in der Klasse ist der Platz neben Maria besetzt. Lena ist plötzlich unbeliebt. Wie ein kleiner Zwischenfall von heute auf morgen dazu führen kann, Außenseiterin zu werden, erzählt die neuste Produktion des Theater Marabu. "Die Geschichte von Lena" der dänischen Autoren Michael Ramlose und Kira Elhauge, die am Wochenende Premiere feierte.

Inszeniert wurde das Stück für Kinder von der dritten bis sechsten Schulklasse von Hannah Biedermann. Sie gab mit dem Stück ihr Regiedebüt am dem renommierten Jugendtheater. Gefördert wurde die Produktion von einem Regie-Nachwuchsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt Bonn. "Wir sind froh, diese Unterstützung bekommen zu haben", erklärte Christiane Müller-Rosen, Geschäftsführerin des Theater Marabus. Ohne die Förderung hätte das Theater die Produktion nicht in ihr Programm aufnehmen können, dabei sei sie doch ein wichtiger Teil der hauseigenen Nachwuchsförderung. "Hannah arbeitet schon lange bei uns mit. Erste Theatererfahrungen sammelte sie in unserem Projekt Junge Bühne. Experimentierplatz Regie hieß der zweite Schritt, bei dem sich junge Regiesseure ausprobieren können", erklärte Müller-Rosen vor der Premiere am Freitag. Biedermann entschied sich nach den Erfahrungen, die sie im Theater Marabu sammelte, dafür, am Theater ihre berufliche Zukunft zu suchen.
"Ich studierte Szenische Künste in Hildesheim. Vor einem Jahr habe ich das Studium abgeschlossen. Lena ist meine erste Produktion für das Theater Marabu", sagte Biedermann. Ungewohnt sei es gewesen, ein Stück nicht selbst zu entwickeln, sondern eine existierende Vorlage zu nutzen. "Bisher arbeitete ich eher im Bereich Performance. Es ist leichter, ein Thema aus sich heraus zu entwickeln, als eigene Vorstellungen mit einer Textvorlage umzusetzen", meinte Biedermann. Mit den zwei Schauspielern Bene Neustein und Julia Rehn erarbeitete sie über sechs Wochen die Produktion. "Zu wenig Zeit für eine eigene Stückentwicklung. Es war aber toll und eine Herausforderung, die hoffentlich gelungen ist", sagte sie.
Testvorführungen hätten gezeigt, dass ihre Hoffnungen erfüllt würden, ergänzt Müller-Rosen. Die Kinder hätten sich schnell in die Ästhetik von Biedermanns Regie wiedergefunden. "Die Zuschauer werden teils konkret mit einbezogen und sollen etwas vorlesen. Statt sich zu zieren, waren alle sofort mit dabei", freute sie sich.

General-Anzeiger Bonn, 19.09.2011